WERNERS BLOG

(Links zu allen Einträgen: siehe linke Spalte)

Ein Klick auf die Bilder vergrößert sie
  Zeichnung: Wilhelm Busch


Sonntag,
02. Mai 2021

  Erste Sätze (33)


Markus Werner, Zündels Abgang (1984)

Schöne Kindheit im Warenhaus. Abhanden gekommen das einzig Vertraute, untergetaucht in neonhellen Schluchten. Der Kleine, in Tränen aufgelöst und ohne Fassung wimmernd: Mama, Mama. - Wie immer viel Helferwille, Ersatzhände, vom Kinde abgeschüttelt, es rennt umher und schreit. Wird irgendwo hinter bunten Kulissen erhört: Da kommt sie, die Mama, das Kind ihr entgegen mit erhitztem Gesichtlein, verweint, doch erlöst, und sie lässt sich nieder vor ihm, breitet die Arme aus und schlägt zu, links rechts, links rechts und zischt und schmäht.
   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Samstag,
1. Mai 2021
Die alten Tagebücher (60)

26. Juli 1981

B.W.* wohnt, lese ich, immer noch in Ostberlin, hat nur ein dreijähriges Dauervisum für den Westen, mein Brief an sie kann also geschrieben werden, auf ihrem Brief an mich vor zwei Jahren war ja ihre Adresse drauf: Leipziger Str. 55. (...)

7. August 1981
(...) Mich krankenzuversichern war eine Arie: Ich habe ja zu Alex gewechselt um versichert zu sein, er wollte einen regelmäßigen Fahrer haben und ich wollte versichert sein.

Er ging also zur AOK und wurde dort gleich unverschämt angemacht. Ein Fahrer, der nur 500,- Mark (offiziell) verdient, ist suspekt. "Der soll 5 Tage in der Woche arbeiten wie wir auch, ... der will ja bloß eine billige Krankenversicherung", etc.

DAK war freundlich, nimmt aber keine Taxifahrer, denn ein Taxifahrer ist Arbeiter, muss also zur AOK.

Sitzung bei Renner, Privatversicherung abgeschlossen, trete als "Selbständiger" auf, was mir persönlich die sympathischste Lösung ist. Habe dann zwar keinen Anspruch auf Rente oder Arbeitslosengeld, aber das ist mir ziemlich wurscht.

Mehr über den Abschluss meiner Krankenversicherung beruhigt als ich ist meine Mutter. Ich selbst könnte – glaube ich – wohl ohne Ärzte leben. "Aber was ist, wenn du einen Unfall hast ... bla bla ..." In den letzten 25 Jahren kam ich ganz gut ohne ärztliche Hilfe zurecht, abgesehen von den zehn Monaten meiner Lehrerexistenz, wo die "Grippe" oder "Magenverstimmung" einfach existenziell notwendig war.

Momentan geht's mir jedenfalls wieder hervorragend, und ich weiß auch, dass das ein Dauerzustand ist. Wir sind beide glücklich hier miteinander im vollen heißen Hochsommer (die zweieinhalb Wochen Dauerregen sind schon wieder vergessen).


* Bettina Wegner, s.u. und Eintrag vom 22.10.2016

   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Montag,
26. April 2021
Wovor haben die Menschen in diesen Zeiten am meisten Angst? Vor Corona? Vor dem Klimawandel? Das würde naheliegen. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI belehrt uns heute, dass es etwas gibt, wovor die Menschen noch viel mehr Angst haben: ihre Mitmenschen. In den Nachrichten konnte man heute hören, dass die Militärausgaben in aller Welt um 2,6 Prozent gestiegen sind und mit knapp zwei Billionen Dollar im Jahr 2020 einen neuen Höchststand erreicht haben. Spitzenreiter sind demnach wieder die USA mit knapp 780 Milliarden Dollar. Aber auch Deutschland darf sich mit etwa 53 Milliarden Dollar sehen lassen, was eine Steigerung um 5,2 Prozent bedeutet.

Ich lese gerade einen Klassiker der amerikanischen Literatur aus dem Jahr 1960 wieder: Wer die Nachtigall stört (To Kill a Mockingbird) von Harper Lee. Da stellt sich der zwölfjährige Jem, Bruder der achtjährigen Ich-Erzählerin Jean Louise, die Frage:
Wenn es nur eine Art von Menschen gibt, warum können sie dann nicht miteinander auskommen? Wenn sie alle gleich sind, warum haben sie dann nichts anderes im Kopf als sich gegenseitig zu verabscheuen?
Weil sie unendliche Angst voreinander haben, könnte man antworten.

   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Freitag,
16. April 2021
Gelegentlich sind Politiker doch noch in der Lage, das Volk in Staunen zu versetzen. Ich rede nicht vom gerade stattfindenden Duell der beiden Kanzlerkandidat-Kandidaten, sondern von einer Äußerung des CDU-Politikers Friedrich Merz (der selber gerne CDU-Vorsitzender und K-Kandidat geworden wäre). In einem Dlf-Interview sagte er dieser Tage: "Wir sind noch ganze drei Prozentpunkte von einer Bundeskanzlerin Annalena Baerbock entfernt. Wir drei runter, die Grünen drei hoch – dann ist die Bundestagswahl 2021 gelaufen."

Gerade in der Politik kann man immer wieder erleben, dass man gewisse Ereignisse und Situationen mehr oder weniger herbeireden kann. Für diesen Fall heißt das, dass manche/r Grünen-Sympathisant/in, der/die bei der Wahl vielleicht zuhause bleiben wollte, sich bei diesen Worten überlegt doch hinzugehen, wenn das Ziel einer grünen Kanzlerschaft tatsächlich so greifbar nahe sein sollte. Ich würde sagen, wir schulden Friedrich Merz großen Dank.

   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Sonntag,
11. April 2021
Ich habe schon einmal auf den wöchentlichen Newsletter des SZ-Journalisten Heribert Prantl hingewiesen: "Prantls Blick". Ich wiederhole die Empfehlung, hier geht es zu der politischen Wochenvorschau. Thema heute: der bundesdeutsche Föderalismus, der gerade keine gute Figur macht.

Die Empfehlung verbinde ich mit einem Hinweis auf einen Gastauftritt Prantls in der Interview-Sendung Leute des Senders SWR1 vom Februar. Dort geht es um die Einschränkung der Freiheitsrechte im Zug der Coronamaßnahmen.

   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Freitag,
9. April 2021
Dieser Winter ist vorbei. Vielleicht – hier im Schwarzwald weiß man nie. Wir haben in den letzten Wochen ein ständiges Auf und Ab erlebt.

Zur Erinnerung Blicke aus dem morgendlichen Schlafzimmer:



1. Dezember: Schnee auf den Frühbeeten
      1. Dezember: Schnee auf den Frühbeeten
 
10. Dezember 16. Januar 29. Januar
10. Dezember 16. Januar 29. Januar
   
 
8. Februar 17. März 19. März
8. Februar 17. März 19. März
   
 
6. April 7. April 8. April
6. April 7. April 8. April
   
 
Das Frühlingswetter Ende Februar, das uns alle zur Gartenarbeit verführt hat, habe ich leider versäumt zu fotografieren.

Und wenn man dem Wetterbericht glauben darf, geht das Auf und Ab weiter.
   
   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Freitag,
26. März 2021
Und noch ein Corona-Splitter:

Die Deutschen, und insbesondere ihr Führungspersonal, gleichen derzeit einem Hühnerhaufen. Erst wird eine Osterruhe verordnet, dann wieder zurückgenommen, einzelne Bundesländer erklären sich zur Modellregion (Saarland), andere appellieren an die Eigenverantwortung der Bürger, die ihnen gerade massiv von der Fahne gehen (Sachsen). Dazu tönen die wieder schriller werdenden Kassandrarufe der Virologen. Dazwischen das "Volk": Den einen gehen die Einschränkenn zu weit, den anderen nicht weit genug.

Nicht dass ich zur Zeit Politiker sein möchte (auch sonst nicht), aber eine Frage stelle ich mir schon (und im Radio hat sie heute der Moderator der Informationen am Mittag im DLF der Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt, Cornelia Betsch, gestellt): Wieso fällt den politisch Handelnden proaktives Handeln so schwer? (Das Wort definiert der Duden als "durch differenzierte Vorausplanung und zielgerichtetes Handeln die Entwicklung eines Geschehens selbst bestimmend und eine Situation herbeiführend")

Die Professorin verwies u.a. auf die Situation der Politiker, auf anstehende Wahlen etwa, und musste offen zugeben, dass sie keine gute Antwort darauf habe.

Im meinem letzten Beitrag habe ich auf die Systemimmanenz der individuellen Gier verwiesen. Ich vermute, dass auch dieses Hühnerhofverhalten der Politiker in gewisser Weise systemimmanent ist. Sie sind (außerhalb von Katastrophenzeiten) es nicht gewohnt, vorausschauend (d.h. weiter als bis zu den nächsten Wahlen schauend) zu handeln. Erst wenn eine Tendenz in der Bevölkerung eine gewisse Stärke und Relevanz erreicht, sie sich also auf das Wahlverhalten auswirken könnte, werden sie wach. So sind sie dazu verurteilt, Strömungen im Volk hinterherzulaufen. Politik setzt keine Trends, sie wartet darauf, dass sie ihr angeboten werden.

Ein solches Verhalten aber ist in der Pandemie unangebracht. Und da ein vorausschauendes Führungsverhalten nicht eingeübt ist, beherrscht man es auch nicht. Daher das Bild des Hühnerhaufens.

   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Sonntag,
14. März 2021
Noch ein Wort zur sogenannten Maskenaffäre, die darin besteht, dass Abgeordnete von CDU und CSU sich für die Vermittlung von Geschäften mit Coronamasken Provisionen in erstaunlicher Höhe haben zahlen lassen. Von bis zu 600.000,- Euro ist die Rede. Von den Funktionsträgern aller Parteien bis zum Bundespräsidenten hört man interessanterweise nichts als Abscheu ob soviel unmoralischer Raffgier. Und selbstverständlich, so beteuern die betroffenen Parteien, handelt es sich nicht um ein strukturelles Problem der Union.

Man kann das verstehen: wieso soll ein bestimmtes Verhalten ein strukturelles Problem einer Partei darstellen, wenn es doch unserer Gesellschaft immanent ist: Von klein auf wird die individuelle Gier trainiert: Hast du was, bist du was, hieß es seit jeher und wird es bei uns immer heißen. Die Bedeutung des Einzelnen wird an seinem Bankkonto ermessen. Die Habsucht ist somit eine gesellschaftlich erwünschte und geförderte Eigenschaft. Dass unter diesen Umständen einer gern mal sechshunderttausend Euro für ein paar vermittelnde Telefongespräche oder E-Mails mitnimmt und dabei kein schlechtes Gewissen entwickelt, sollte nicht verwundern. Schließlich ist dieses Verhalten zutiefst systemkonform und wird – solange es mit Diskretion ausgeübt wird – weithin toleriert. Erst wenn Spielverderber die Gier ins allzu grelle öffentliche Licht zerren, merkt man auf, und schnell ist der Begriff der Neiddebatte zur Hand.

Nun haben Abgeordnete der Union Pech gehabt: ihr Verhalten stößt auf eine den Umständen geschuldete Empfindlichkeit in der Bevölkerung. Als Konsequenz mussten die Unionsabgeordneten auf Geheiß ihrer Parteien eine Ehrenerklärung abgeben, in der sie bestätigen, dass sie "keine finanziellen Vorteile aus pandemiebezogenen Geschäften gezogen hätten". (Daran wird der eine oder die andere noch zu knabbern haben und froh sein, dass er/sie die Erklärung nicht unter Eid abgeben musste.) Des Weiteren sollen künftig die Nebenverdienste der Bundestagsabgeordneten veröffentlicht werden. Dass ein solches Mandat ein Vollzeitjob ist (und ein nicht allzu schlecht bezahlter), hört man zwar gelegentlich in diesem Zusammenhang, aber was soll man machen: das Geschäft muss ja weiterlaufen, je einträglicher, desto besser, nicht wahr.

So sollen also Nebeneinkünfte, die dem/der Abgeordneten mehr als 100.000,- € im Jahr einbringen, angegeben werden. Auf Cent und Euro. Achtzig- oder neunzigtausend im Jahr, soll das heißen, sind Peanuts, die gerne nebenbei in die Tasche gesteckt werden können. Ob das Pflegekräften, die ständig am Rand ihrer Kraft arbeiten und von solchen "Nebeneinkünften" nur träumen können, vermittelbar ist? Viele von ihnen halten derzeit noch aus Solidarität durch, wie der DLF kürzlich unter Berufung auf den Weltbund der Krankenschwestern und Pfleger meldete. Sobald die Lage sich etwas entspannt haben wird, werden viele von ihnen den Job hinwerfen. Auch das ist vielleicht ein Nebeneffekt der Nebeneinkünfte.



   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Sonntag,
7. März 2021
Die alten Tagebücher (59)

21. Juli 1981



Das Tagebuch setzt Staub an. Wenn man mit einem anderen Menschen zusammenlebt, hat man einen direkteren Reflektor seiner Gedanken als das Papier.

(...)

Ein Leben, wie ich es zur Zeit führe, müsste eigentlich zum Schreiben herausfordern. Ein Minimum an Erwerbsarbeit (2 Nächte pro Woche), dazu die Arbeit im Garten und von Fall zu Fall am Haus. Viel, viel sogenannte Freizeit. Warum also nicht schreiben?

Nein, keine Zeit. Das gemeinsame Leben mit C. muss und will gelebt werden, ich habe immer noch das Gefühl, dass wir zuwenig Zeit füreinander haben. Und wenn ich allein bin: Da kommt erstmal das Genießen, der Genuss des Hauses, des Gartens, des eigenen Seins, da muss ich werkeln, essen und trinken, radiohören (auch wenn's nur Bayern 3 ist), Süddeutsche lesen (momentan schickt mir meine Mutter ihr Abonnement für 4 Urlaubswochen, und, wenn wirklich ein ganzer Abend übrig sein sollte, wie heute, ein paar Zeilen ins Tagebuch.

Wieder Gedanken an Bettina Wegner. Wenn ich ihre westdeutsche Adresse hätte, würde ich ihr auf der Stelle wieder schreiben. Im Herbst ist in München ein Konzert mit ihr, das ich gerne besuchen möchte.

   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Montag,
22. Februar 2021
Es gibt offenbar noch andere, die die von der Pandemie verursachte Sprachbereicherung ( s.u.) bemerken. Der Deutschlandfunk berichtet, dass das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache seit März 2020 etwa 1200 neue bzw. umgedeutete Wörter im Zusammenhang mit Corona gesammelt hat. Als Beispiele werden genannt: "Geisterspiel", "Distanzunterricht", "Covidiot", "Maskenmuffel" und "Corona-Matte" (Haarschnitt, der sich durch länger nicht stattgefundenen Friseurbesuch ergibt).

Und einen schönen Satz habe ich heute noch vom Israelkorrespondenten des Senders vernommen. Er formulierte, man wolle dort eine Herdenimmunität herbei impfen.

   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Sonntag,
21. Februar 2021
Die alten Tagebücher (58)

8. Juni 1981

Das neue Leben auf dem Land rückt den Abstand zum früheren Leben in der Stadt (und die weiter bestehende Abhängigkeit von ihr) in den Blick.

Kann den Eintrag von gestern – nach dem Taxifahren – nicht durchlesen. Das ödet mich furchtbar an. Das Taxifahren ist kein Leben, jedenfalls kein interessantes. Es ist – relative bequeme – Existenzsicherung, sonst nichts außer Zeitverschwendung.

Heute auch "Zeit verschwendet". Ich muss das in Anführungszeichen setzen, denn ein fauler Tag mit Nichts-Tun ist ja nur in bürgerlichem Bewusstsein eine Verschwendung. Aber wie soll jemand wie ich mit meiner bürgerlichen Erziehung sich da jemals völlig frei von Schuldgefühlen machen, wenn er einfach nichts tut. Nichts.

Was habe ich schon Zeit "verschwendet"!

Erinnerung an manche Sams- und Sonntage in der Georgenstraße: Heißer Sommer, Aufstehen gegen Mittag, raus zur Dusche tappen, langsam das Chaos bekämpfen, im Zimmer und das größere im Kopf, dann die vier Treppen runter und durch die sonnigen, sonntäglich-trägen, ekelhaften Sonntagsstraßen in Richtung Euroasia (einer der größten Verluste für München, dass diese Kneipe vor ca. 2 Jahren zugemacht hat!). Dort ein Sojavan oder eine Nr. 13 (Nudelsuppe mit viel Hühnerfleisch) mit größtem Lustgefühl gegessen. Wirklich ein Höhepunkt. Auch das Stammgasterlebnis (3 oder 4 Weihnachten hat man mir dort etwas geschenkt). Und die hübschen thailändischen Wirtstöchter.

Und dieses unvergleichliche Sojavan: Gegrilltes Wammerl, dazu ein gebratenes Hühnerbein auf Reis mit etwas gekochtem Kraut und einer dünnen Suppe zuvor. Der Preis war zum Schluss glaube ich 4,50 oder 5,- Mark (von 3,30 oder so angefangen, als ich 1972 das Euroasia entdeckte). Dann wieder raus und schon auf der Straße vor der Kneipe war der Tag (für den Moment wenigstens) wieder gelaufen. Was tun?

Zurücklaufen in der ruhigen Sonne, eine der vielen Varianten, die zwischen Heß-/Schleißheimerstraße und Georgenstraße 58 möglich sind. Die angenehmsten führten durch den alten kleinen Nordfriedhof und den angrenzenden Spielplatz.

Und wieder die vier Treppen rauf, heiß ist es da unter dem Dach. Gleich wieder die Klamotten runter und in der Unterhose oder ganz nackt aufs Bett und den Tag fragen, was man machen soll. Lesen oder sowas. Für den Abend waren sicher irgendwelche Verabredungen in Kneipen getroffen, bis dahin die Leere.

Samstag-Sonntagnachmittag in einem Dachzimmer in der heißen sommerlichen Stadt.


Dazu als Ergänzung ein Blick in das Tagebuch des Jahres 2020, 39 Jahre später. Unter dem Datum des 19. Januar steht da:

Stiller trüber Sonntagmorgen (alle meine Morgen sind zum Glück still, nicht alle trüb, Sonntage aber haben immer etwas Stilltrübes).


   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Sonntag,
14. Februar 2021
Mein regelmäßiger Spazierweg führt mich an unserem Bach entlang, der den wenig romantischen Namen Stampfbach führt. Umso poetischer aber sind die Bilder, die der Bach im Verein mit scharfem Frost in der Nacht und tauendem Sonnenschein am Tag dem Spaziergänger schenkt.



Stampfbach, 14. Februar 2021
 
Stampfbach, 14. Februar 2021 Stampfbach, 14. Februar 2021 Stampfbach, 14. Februar 2021
   
 
Stampfbach, 14. Februar 2021 Stampfbach, 14. Februar 2021 Stampfbach, 14. Februar 2021
   
   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Montag,
8. Februar 2021
Die Pandemie hat eine Menge kreativer Aspekte, unter anderem eine ungeahnte Bereicherung der Sprache. Was haben wir nicht alles für Zusammensetzungen mit ihrem Namen (den wir alle nicht mehr hören können) erfahren dürfen: Coronakrise, Coronaregeln, Corona-Verschwörungstheorien, Coronaschutzverordnung, Corona-Warn-App, Coronaleugner ...

Seit es Impfstoffe gegen C. gibt, sind auch hier neue Verbindungen im Umlauf: Impfverordnung, Impfreihenfolge, Impfgipfel, Großbritannien hat einen Impfstaatssekretär ...

Auch Wörter wie Sieben-Tage-Inzidenz sind eine bislang nicht in Erscheinung getretene Kombination und Lockdown wurde der Anglizismus des Jahres 2020.

Meine absoluten Lieblingsfundstücke aber sind (bisher):

Durchimpfungsrate (hier gefunden)

und vor allem:

aerosolgenerierend bzw. Aerosol generierend (hier gefunden)

   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Donnerstag,
4. Februar 2021
Man mag den Streit nicht mehr hören: War vor einem halben Jahr die Entwicklung von Impfstoffen gegen Covid-19 noch eine Sache von vielen Jahren, wird jetzt, da es in einer beispiellosen Anstrengung gelungen ist, (hoffentlich) taugliche Vakzine anzubieten, das Geschimpfe und Gezerre um einen Platz an der Spritze ständig schriller:

Warum hat die EU so wenig bestellt, wieso kriegen die Engländer mehr als wir, warum geht das alles so langsam, wer darf als erster und so weiter und so fort. Den Vogel schießt gerade die Deutsche Stiftung Patientenschutz ab (deren Arbeit ich bisher als nützlich und wertvoll angesehen habe): Wie der DLF heute berichtet, zog der Stiftungsvorstand Eugen Brysch in einem Interview mit dpa gegen "Vordrängler" zu Felde und forderte, "bezahlte und unberechtigte Verimpfung" solle mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe belegt werden. Allmählich drehen sie alle durch.

Weiter hieß es in dem Bericht, angesichts des knappen Impfstoffs gelte eine strenge Reihenfolge. Die über 80-Jährigen und die Menschen in Pflegeheimen erhalten den Schutz vorrangig, weil das Todesrisiko bei Covid-19 bei den Hochbetagten am größten sei. Die Ironie, die in diesem letzten Satz liegt, ist offenbar keinem aufgefallen. Zwar gehöre ich mit meinen 73 Jahren noch nicht ganz zu den Hochbetagten, über mein mit fortschreitendem Alter immer weiter zunehmendes Todesrisiko aber mache ich mir keine Illusionen. Mit Covid-19 hat das weniger zu tun, eher mit Statistik.



   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Samstag,
23. Januar 2021
Ich bin kein Verschwörungstheoretiker. Habe auch nicht vor einer zu werden und will mit ihnen auch nicht in einen Topf geworfen werden. Z.B. halte ich Behauptungen, die großen Konzerne (wahlweise Bill Gates, die internationale jüdische Hochfinanz, die Mainstream-Medien, das Weltwirtschaftsforum, die Bilderberger etc.) für gefährlichen z.T. volksverhetzenden Blödsinn.

ABER:

Was ich heute morgen im Radio höre, verstört mich doch, wie ich zugeben muss. Demnach regt der Deutschland-Chef des Vodafone-Konzerns, Hannes Ametsreiter, an, die Daten der Mobilfunknutzer mehr zur Pandemiebekämpfung einzusetzen. Der DLF zitiert ein Interview des SPIEGEL mit dem Konzernchef)*, in dem dieser sagt, durch eine Ausweitung der Datennutzung könne man Rückschlüsse auf die Mobilität bestimmter Personengruppen bzw. in bestimmten Regionen ziehen. Bespielsweise ließe sich auf diese Weise verfolgen, wie sich Einreisende aus Risikoländern bewegt hätten. Aus Datenschutzgründen sei dies derzeit nicht möglich, angesichts der aktuellen Fallzahlen müsse man sich aber fragen, ob die Einschränkungen nicht aufgehoben werden müssten.

Macht dieser Herr Ametsreiter nicht einen fatalen Fehler, wenn er öffentlich solche Überlegungen ausbreitet? Wo bleibt denn da die geheime Verschwörung?

* Das ganze Interview steht leider hinter einer Paywall
   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Freitag,
15. Januar 2021
Ich unterbreche meinen Winterschlaf und melde mich zurück mit dem Wunsch an die Leser und Leserinnen des Blog, ein frohes Fest und einen sogenannten guten Rutsch gehabt zu haben.

Derzeit sieht es hier im Schwarzwald so aus, als habe sich der Winter auf seine ureigene Aufgabe besonnen, nämlich die Welt in stilles Weiß zu tunken, kalt zu sein und den Kindern fröhliche Erlebnisse durch Schlittenfahren und Schneemannbauen zu bescheren. Der Winterschlaf bleibt Rentnern wie mir vorbehalten.
 
Morgendlicher Blick aus dem Schlafzimmerfenster Auf der Terrasse gegen zehn Uhr
Morgendlicher Blick aus dem Schlafzimmerfenster Auf der Terrasse gegen zehn Uhr
   
 
Aber was mich nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass wir gerade den dritten zweistündigen Stromausfall innerhalb von 16 Stunden erlebt haben. Würden wir uns in, sagen wir, Südfrankreich oder in Italien befinden, würde ich darüber kein Wort verlieren. Da kennt man es nicht anders. Aber im deutschen Schwarzwald? Also nicht einmal mehr hier kann man mit echten winterlichen Verhältnissen umgehen. Auch eine Auswirkung des Klimawandels.
   
   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

   zum Abschnitt Oktober – Dezember 2020 zum Abschnitt Juli – September 2020
zum Abschnitt April – Juni 2020 zum Abschnitt Januar – März 2020 zum Abschnitt Oktober – Dezember 2019 zum Abschnitt Juli – September 2019
zum Abschnitt April – Juni 2019 zum Abschnitt Januar – März 2019 zum Abschnitt Oktober – Dezember 2018 zum Abschnitt Juli – September 2018
zum Abschnitt April – Juni 2018 zum Abschnitt Januar – März 2018 zum Abschnitt Oktober – Dezember 2017 zum Abschnitt Juli – September 2017
zum Abschnitt April – Juni 2017 zum Abschnitt Januar – März 2017 zum Abschnitt Oktober – Dezember 2016 zum Abschnitt Juli – September 2016
zum Abschnitt April – Juni 2016 zum Abschnitt Januar – März 2016 zum Abschnitt September – Dezember 2015