WERNERS BLOG

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  Zeichnung: Wilhelm Busch


Freitag,
20. September 2019
Fridays for future

Während heute in Berlin das sogenannten Klimakabinett zu (wie ich finde) äußerst mageren Beschlüssen gekommen ist, sind überall auf der Welt Millionen von Menschen für mehr und effektivere Maßnahmen gegen die Erderwärmung auf die Straße gegangen. In Freiburg waren es laut dem Klimaaktionsbündnis Freiburg 30.000.

Hier ein paar Fotos vom heutigen Tag:
 
   
 
   
 
   
 
   
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Montag,
16. September 2019
Herbst auf dem Küchentisch

(Vom Garten bzw. der Terrasse)

Herbst auf dem Küchentisch
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Sonntag,
8. September 2019
Das Schauspiel, das die Politik in Großbritannien seit drei Jahren aufführt, gibt nicht nur immer wieder Anlass zur Heiterkeit, sondern ist in erster Linie ein Lehrstück über den Populismus unserer Tage und wie dieser zum Ruin der eigenen Partei und des Landes führt.

Boris Johnson ist nun angetreten, es Leuten wie Donald Trump, Recep Tayyip Erdoğan oder Wladimir Putin gleichzutun und sein Land wie ein König (Sultan, Zar ...) zu regieren. Allerdings hat er dazu, wie man in meiner bayerischen Heimat (und nicht ganz salonfähig) sagt, den Arsch zu weit unten. Er hätte seinen Machiavelli110 genauer lesen sollen. In der Streitfrage, ob es besser sei, geliebt oder gefürchtet zu werden, schreibt Machiavelli, beides sei gut, fügt aber gleich hinzu, dass beides schwer miteinander zu verbinden sei und daher sei es viel sicherer, gefürchtet zu werden als geliebt. Machiavelli schließt das 17. Kapitel seines berühmten Buchs "Der Fürst" (Il principe) mit den Worten: Da die Liebe der Menschen von ihrer Neigung, ihre Furcht aber vom Betragen des Fürsten abhängt, so muß der weise Fürst es nicht auf die Neigungen Andrer ankommen lassen, sondern auf das achten, was von ihm abhängt; nur muß er vermeiden, sich verhaßt zu machen.111

Und genau daran scheitern alle Populisten letztendlich. Sie können sich heute ja nicht mehr auf Krieg und Grausamkeit stützen wie zu Machiavellis Zeit (15. Jahrhundert), sondern sind auf die Zustimmung ihrer Wähler angewiesen und müssen zudem die Gesetze beachten, wie lästig! (obwohl manch einer es damit nicht so genau nimmt, siehe Polen, Ungarn Türkei, USA, Brasilien ...)

Boris Johnson wird der britische Premierminister mit der kürzesten Amtszeit sein (zum Glück für das Land). Er und seine Vorgänger David Cameron (der aus persönlichen und parteitaktischen Gründen das Brexit-Referendum vom 23. Juni 2016 angezettelt hat) und Theresa May (die sich lieber bei den Tories beliebt machen wollte als das Beste fürs Land zu erkämpfen und bekanntlich bei beidem gescheitert ist) haben auf ihrem Weg sowohl die Partei als auch das Land tief gespalten. Boris Johnson setzt mit seinem rigorosen Vorgehen gegen die innerparteilichen Gegner dem Ganzen die Krone auf. Dass er mit deren Rauswurf aus der Fraktion jetzt zu weit gegangen ist in seiner Verblendung, zeichnet sich überdeutlich ab. Intelligenz war aber nie eine Stärke von Populisten. Politischen Vandalismus hat die heute aus Protest zurückgetretene Arbeitsministerin Amber Rudd Johnsons Aktion genannt.

Wenn man sich die Karte der Ergebnisse des Brexit-Referendums anschaut, sieht man, dass es Regionen gibt, in denen die Mehrzahl der Wähler für ein Verbleiben in der EU gestimmt hat, allen voran Schottland, außerdem die überwiegende Mehrheit in Nordirland und große Teile von Wales. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat einen Gesetzentwurf für ein zweites Referundum über die Unabhängikeit Schottlands schon vor längerer Zeit auf den Weg gebracht, und in Irland redet man plötzlich wieder ernsthaft von einer Wiedervereinigung auf der Insel (denn dass sich die Iren noch einmal eine Grenze zwischen der Republik und Nordirland gefallen lassen, glauben auch nur die Brexiteers in ihrem Wahn).

So wird man die obige Dreiereihe der britischen Premierminister eines Tages als die Totengräber des Vereinigten Königreichs in den Geschichtsbüchern finden.

110 Niccolò Machiavelli (1469-1527), italienischer Philosoph, Politiker, Diplomat, Chronist, Schriftsteller und Dichter.

111 siehe Projekt Gutenberg
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  Und das Ganze an einem komplett verregneten Sonntag. Ich aber hab meinen Trost: den Blick aus dem Fenster in den Garten mit den Sonnenblumen. Sie sind schon wieder ( wie im letzten Jahr) einen Meter über die Höhe der Dachtraufe hinausgewachsen (die hier allerdings recht niedrig ist)   Trost am Regensonntag
      Trost am Regensonntag
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Samstag,
31. August 2019
Einen Tag vor den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg höre ich gleich noch einmal eine höchst erstaunliche Wortschöpfung. Während der Problembär (s.u., 30.8.) bereits mehr oder weniger in die Umgangssprache eingegangen ist, er also zu einem Neologismus geworden ist, hat das Wort, das mir heute begegnet ist, vermutlich keinen dauerhaften Bestand. Dafür ist es umso origineller, ein Okkasionalismus, der sich gewaschen hat.

Im Interview mit dem Deutschlandfunk antwortet der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder von der Uni Kassel auf die Frage, ob die Entwicklung der Stimmenverluste der "großen" Parteien CDU und SPD hin zu 20-Prozent-Parteien eine ostddeutsche Ausnahme sei oder dies bald der bundesdeutsche Normalfall werden könnte, sinngemäß, dass diese Erscheinung derzeit noch stärker auf Ostdeutschland bezogen sei, wir aber in Zukunft vermutlich eine Verostdeutschung des gesamtdeutschen Parteiensystems erleben würden.

Wieder bin ich begeistert von den Möglichkeiten der deutschen Sprache (allerdings weniger von dem, was der Politikprofessor mit diesem Wort beschreiben will)



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Freitag,
30. August 2019
In den Nachrichten höre ich, dass Pedro Almodóvar bei den Filmfestspielen in Venedig für sein Lebenswerk mit dem Ehrenlöwen ausgezeichnet worden ist. Wie schön für ihn (ich halte Almodóvar für einen großen Regisseur). Was mich an der Nachricht außerdem begeistert, ist die Fähigkeit der deutschen Sprache zu Neuschöpfungen: Ehrenlöwe, wo gibt's denn sowas. Mich erinnert diese Wortschöpfung an den Problembären Bruno, der 2006 in Bayern erlegt wurde. Ein Zoo von bisher ungekannten Tieren wird hier neu angelegt.

Leider hat es weder der Problembär noch der Ehrenlöwe bisher in den Duden geschafft. Und wegen der unendlichen Kombinationsmöglichkeiten, die unsere Sprache bietet, wird das vermutlich auch so bleiben.


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Samstag,
24. August 2019
Meine Schreibwerkstatt macht wieder einmal auf und lädt zur Besichtigung ein. Aus dem aktuellen Projekt, der Romanumsetzung des Essays über das Böse ( "Die Wegwerfwelt"), stelle ich einen zweiten Ausschnitt vor.

Derzeit erwäge ich, eine Romantrilogie zu verfassen, der erste Teil (aus dem diese beiden Ausschnitte stammen) soll den Titel Ein blauer Tag tragen.



1. Ausschnitt (aktualisiert)
2. Ausschnitt
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Donnerstag,
15. August 2019
Die alten Tagebücher (44)

27. August 1980

Immer noch in Bardou: Nach der ausführlichen Abhandlung erotischer Abenteuer (und den daran anschließenden Betrachtungen über weibliche Sexualität) wendet sich der Eintrag dieses Tages dem Thema Europa zu.
(...)

Warum kommt mir Skandinavien in den Sinn? Beim Niederschreiben des letzten Satzes sah ich plötzlich norwegische Holzhäuser vor mir, dunkel von außen, helle Fensterläden, Wärme und Gemütlichkeit ausstrahlend.

Ich muss da wieder hin.

Als Mitteleuropäer kannn ich den Norden wie den Süden genießen, beides schön finden: die Birken am See zwischen den fichtenbestandenen Hügeln, Blaubeeren im Wald, Heidekraut im Hochsommer, Rentiere ...

Und: Die Steineichen, der Lavendel, die Gerüche des Südens: Thymian, Minze und Feigen. Und auch hier: Heidekraut. Farne von der Finnmark bis zu den Pyrenäen, Eichen, Holunder, Brombeeren, Hagbutten, Wacholder und wilde Erdbeeren vom Polarkreis bis zum Mittelmeer – Europa.

Storsjöen und Lac du Salagou, Trondheimfjord und die Bucht von Cadaquès, Mont St. Michel und Kap Sunion – Europa.

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Donnerstag,
8. August 2019
Und noch'n Gedicht (zur Diskussion über den Klimawandel), geschrieben 1920 von Robert Frost


Fire and Ice

Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
Is also great
And would suffice.
Und auch dazu wieder mehrere Übertragungen ins Deutsche:

Feuer und Eis

So mancher sagt, die Welt vergeht in Feuer
so mancher sagt, in Eis.
Nach dem, was ich von Lust gekostet,
halt ich's mit denen, die das Feuer vorziehn.
Doch müsst sie zweimal untergehn,
kenn ich den Hass wohl gut genug,
zu wissen, dass für die Zerstörung Eis
auch bestens ist
und sicher reicht.

(Diese Übertragung findet sich in der Wikipedia, ohne den Übersetzer zu nennen)


Feuer und Eis

Der eine sagt: die Welt vergeht im Feuer
Der andere: im Eis.
Ich hab gelernt aus dem Begehren
Und bin bei denen, die das Feuer
Vorziehen. Doch geht sie zweimal unter,
Glaub ich genug vom Hass zu wissen,
Dass zur Zerstörung Eis
Genauso trefflich ist
Und wohl genügt.

(Eigene Übertragung)

Feuer und Eis

Der eine sagt: im Feuer wird die Welt vergehn
Die andere: im Eis.
Was ich aus dem Begehren weiß, ist,
Dass die mir näher sind, die Feuer vorziehn.
Doch muss sie zweimal untergehn,
ist mir genug vom Hass bekannt,
zu sagen, dass das Eis zum Untergang
ebenso viel wert ist
Und wohl reicht.
(ebenfalls von mir)

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Mittwoch,
31. Juli 2019
Erste Sätze (27)


Dante Alighieri, die Göttliche Komödie (1472)

Als unseres Lebens Mitte ich erklommen,
Befand ich mich in einem dunklen Wald,
Da ich vom rechten Wege abgekommen.

 
 
  (Das ist nun eine Aussage von kaum zu überbietender Symbolik: Wer von uns, die wir die Mitte des Lebens hinter uns haben, ist nicht mindestens einmal vom 'rechten Wege' abgekommen und hat sich im Dunkeln verirrt?)    
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Dienstag,
23. Juli 2019
Hassen ist in.

Man sieht es im Netz, auf der Straße, in den Medien, in der Politik. Den Hass hat Charles Baudelaire in seinem Gedichtzyklus Les Fleurs du Mal / Die Blumen des Bösen als das Fass der Danaiden109, einem Fass ohne Boden, charakterisiert.


Le Tonneau de la Haine

La Haine est le tonneau des pâles Danaïdes;
La Vengeance éperdue aux bras rouges et forts
À beau précipiter dans ses ténèbres vides
De grands seaux pleins du sang et des larmes des morts,

Le Démon fait des trous secrets à ces abîmes,
Par où fuiraient mille ans de sueurs et d'efforts,
Quand même elle saurait ranimer ses victimes,
Et pour les pressurer ressusciter leurs corps.

La Haine est un ivrogne au fond d'une taverne,
Qui sent toujours la soif naître de la liqueur
Et se multiplier comme l'hydre de Lerne.

– Mais les buveurs heureux connaissent leur vainqueur,
Et la Haine est vouée à ce sort lamentable
De ne pouvoir jamais s'endormir sous la table.


Hier zwei Übertragungen ins Deutsche:


Das Fass des Hasses

Das Fass der bleichen Danaiden ist der Hass,
in dessen leere Finsternis die Rache leidenschaftlich
mit rohen, starken Armen aus großen Eimern
der Toten Blut und Tränen gießen mag,

Der Teufel aber bohrt heimlich Löcher in den Grund,
durch die seit tausend Jahren Schweiß und Mühe rinnen,
selbst wenn des Hasses Opfer wiederauferstehen könnten
damit er ihre Leiber neu zerpressen kann.

Ein Säufer ist der Hass, am Boden der Taverne,
der spürt, wie unablässig aus dem Trank der Durst entspringt
und wie die Hydra sich verhundertfacht.

Doch kennt der Trinker glücklich den Besieger,
während dem Hass das jämmerliche Los bestimmt ist,
niemals unter dem Tisch in Schlaf zu fallen.
(Eigene Übertragung)

Das Fass des Hasses

Der hass ist bleicher Danaïden fass
Die rache mag mit händen rauhen roten
Ins leere dunkel schütten ohne lass
Aus grossen kübeln schweiss und blut der toten.

Geheim durchlöchert böse hand die schlünde
Sie gösse tausendjähriger fleiss nicht voll
Und wenn auch jedes opfer neu erstünde
Und neu verblutete vor seinem groll.

Der hass ist wie der trinker in der schänke:
Er fühlt wie durst entsteht aus dem getränke
Und gleich der Hydra sich verhundertfältigt.

Doch weiss der trinker wer ihn bald bewältigt –
Und für den hass bestimmt die schwere strafe
Dass niemals unterm tische er entschlafe.
(Übertragung: Stefan George)


109Die Danaiden (griechisch Δαναΐδες) sind in der griechischen Mythologie die fünfzig Töchter des Danaos, König von Libya und Ahnherr der Griechen. Auf seinen Befehl hin töteten alle bis auf eine in der Brautnacht ihre jungen Ehemänner, sämtlich Söhne des Aigyptos, die sogenannten Aigyptiaden. Zur Strafe muss jede von ihnen im Tartaros Wasser in ein durchlöchertes Fass schöpfen, weshalb heute eine qualvolle, sinnlose Mühe auch eine Danaidenarbeit genannt wird.

(Quelle: Wikipedia)
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Freitag,
19. Juli 2019
Nach dem Frühlings- heute ein Hochsommerspaziergang durch den Kratzbürstengarten. Es blühen Blumen (gepflanzte, gesäte, verwilderte, Balkon-, Schnitt-), Gemüse, Sträucher, Unkraut ...


 
Bechermalve Verwilderte Stiefmütterchen Kardendistel Mauerpfeffer
   
 
Borretsch Frauenmantel Ringelblumen Zinnien
   
 
Stockrose (Malve) Königskerze Stockrose (Malve) Phlox
   
 
Blick über die Beete Kürbisblüte Buntes Beet Zwiebelblüte
   
 
Ausgewachsener blühender Mangold Oregano Jungfer im Grünen Taglilie
   
 
Zucchiniblüte Gemüse mit Ringelblumen Storchschnabel Borretsch
   
 
Mohn Gurkenblüte Mauerpfeffer Kapuzinerkresse
   
 
Der Wein trägt Früchte Der Wein trägt Früchte Geranien am Fenster Auf der Terrasse
   
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Mittwoch,
17. Juli 2019
Die alten Tagebücher (43)

20. August 1980

In Bardou werden beim gemeinsamen Abendessen Geschichten aus der Münchner Stammkneipe (dem Ansbacher Schlössl in Haidhausen) erzählt.
(...)
Die letzte Stunde Gespräch über eine "Verrückte" (Arbeitskollegin von Sieglinde), bizarre Geschichte, die's eigentlich wert wäre, dass man was daraus macht: 48-jährige Jungfer, die von Mutti und Vati redet (Vati ist tot, Mutti ist 82), in ihrem Leben nie "solche Schweinereien" mit Männern hatte, vom "Schwalberich" redet, der's Loch nicht findet, von Hengsten (Stuten uninteressant) und die einen Sturz auf der Toilette vor zwei Jahren als Entschuldigung für ihre inzwischen sogar ihr selbst aufgefallene Anormalität nimmt.

Kann man jemandem in diesem Alter noch grundlegend helfen, wie sie als Arbeitskollegin ertragen? (arbeitet im öffentlichen Dienst auf der gesetzlichen Behindertenrate).

Noch eine Geschichte (das Leben ist tagtäglich voller herrlicher Geschichten!), die S. erzählt: Joschi* hatte im Schlössl mal Wundertüten zum Verkauf, mit Plastikfiguren drin, um die sich die Leute scheint's gerissen haben. Eine davon, ein Reiter mit gespreizten Beinen, der offensichtlich auf ein Pferd gehörte, landete irgendwie in der Küche (hat Tom** damals gekocht?) und kam wieder auf einer Spargelspitze reitend in einer Salatschüssel zurück. Auf den Tisch von ein paar "Emanzenweibern" (Ausdruck von Sieglinde und Volker). Effekt: die stehen auf der Stelle auf und gehen, empört über derartige chauvinistische Unsittlichkeit.


____

* = Wirt vom Ansbacher Schlössl
** = ein Amerikaner, der eine Zeit in Bardou war und später nach München gegangen ist, wo er u.a. im Schlössl als Koch gearbeitet hat (wie auch ich).

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Sonntag,
14. Juli 2019
Erste Sätze (26)


Claude Simon, Die Straße in Flandern (1960)

Er hielt einen Brief in der Hand, er blickte auf schaute mich an dann wieder den Brief dann wieder mich, hinter ihm konnte ich fuchsrote mahagonibraune falbe Flecken hin- und herziehen sehen: Pferde, die zur Tränke geführt wurden, der Schlamm war so tief dass man bis an die Knöchel einsank doch ich erinnere mich dass es in der Nacht plötzlich gefroren hatte und Wack kam mit dem Kaffee ins Zimmer und sagte Die Hunde haben den Schlamm gefressen, ich hatte diese Redensart noch nie gehört, ich glaubte die Hunde zu sehen, höllische mythische Kreaturen ihre rotumrandeten Mäuler ihre kalten weißen den schwarzen Schlamm in der Finsternis der Nacht zerkauenden Wolfszähne, vielleicht eine Erinnerung, alles verschlingende klare Bahn schaffende Hunde: nun war der Schlamm grau und wir verrenkten uns beim Laufen die Füße, wie immer zu spät zum Morgenappell, verstauchten uns beinahe die Knöchel in den tiefen von Hufen hinterlassenen steinhart gewordenen Spuren, und nach einer Weile sagte er Ihre Mutter hat mir geschrieben.
 
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Dienstag,
9. Juli 2019
Ein außerordentlich schöner Bildband über "mein" Dorf Bardou hat mich erreicht. Die Bilder stammen von dem Hamburger Fotografen Johannes Groht. Er war 1992 für zwei kurze Ferienaufenthalte in Bardou und hat sich von der besonderen Atmosphäre dieses Orts und seiner Umgebung gefangennehmen lassen, wie so viele andere (nicht zuletzt auch ich – siehe auch meine Seite über Bardou).

Johannes Groht, Jahrgang 1962, widmet sich in seiner Arbeit vornehmlich den Themenkreisen Natur und Kultur. Den Band über Bardou hat der Autor erst jetzt, 27 Jahre nachdem er den Ort besucht und fotografiert hat, zusammengestellt und veröffentlicht. Es ist ein Bildband, der auch erzählende und reflektierende Texte über das Phänomen Bardou beinhaltet und einen hohen künstlerischen Anspruch verwirklicht.

Der Band (DIN A4, 21 x 29,7 cm) enthält über 60 Schwarzweißaufnahmen aus dem Jahr 1992, teilweise in doppelseitigem Format. Aber auch kleinformatige Bilder (darunter von Hand eingeklebte Originalabzüge) bringen durch die kunstvolle Gestaltung ihr Motiv ausdrucksstark zur Geltung. Der Autor hat den Band, der mit großem handwerklichen Geschick hergestellt ist, im Eigenverlag veröffentlicht. Die Professionalität, mit der das Werk daherkommt, stellt manchen Bildband großer Verlage in den Schatten. Hier strahlt die Liebe zur Sache (d.h. zum fotografischen und bibliografischen Handwerk und zum Motiv) auf jeder Seite dem Betrachter entgegen.

Das Buch ist zum Preis von 58,- € beim Autor über seine Website erhältlich. Angesichts der künstlerischen und handwerklichen Qualität des Bildbands ist dieser Preis nicht zu hoch.

Hier einige Eindrücke aus dem Band (Klick öffnet neues Fenster) – die Abbildungen geben nur einen unvollkommenen Eindruck von der Schönheit der Fotografien.


Auf seiner Website bietet Johannes Groht weitere hochwertige Bildbände an


Johannes Groht: Bardou
      Eindrücke aus dem Band (Klick öffnet neues Fenster)
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Donnerstag,
4. Juli 2019
In Lybien wurde gestern ein Flüchtlingslager bombardiert, mindestens 44 Menschen wurden getötet, mehr als 130 schwer verletzt ( Bericht im DLF).

Die politische Lage im Land ist äußerst verworren (siehe den aktuellen Wikipedia-Eintrag). Vor kurzem hat die Gruppe um den General Chalifa Haftar eine Offensive gegen die international anerkannte (was keineswegs heißt: vertrauenswürdige) Regierung des Ministerpräsidenten Fayiz as-Sarradsch in Tripolis gestartet. Es liegt nahe, dass im Zuge dieser Offensive auch das Flüchtlingslager angegriffen wurde – angegriffen, nicht versehentlich bombardiert. Von Seiten der UN wird nämlich berichtet, man habe beiden Seiten die Koordinaten des Lagers mitgeteilt, gerade um versehentliche Bombardements zu verhindern. Und was tun die Verbrecher? Sie nutzen diese Koordinaten dazu, um die Familien (Kinder, Frauen, Männer) im Lager gezielt abzuschießen.

Die Schlechtigkeit der Menschen ist abgrundtief.


Nachtrag: Die UNO hat den Angriff zwar als Kriegsverbrechen bezeichnet, im UN-Sicherheitsrat aber kam eine Verurteilung nicht zustande, da die USA ihre Zustimmung dazu verweigerten ( Bericht im DLF). Auch hier sitzen also Verbrecher.
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