WERNERS BLOG

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  Zeichnung: Wilhelm Busch


Montag,
12. November 2018
Was muss ich heute im Radio hören? (Auch hier, hinter den sieben Bergen im Süden Frankreichs, höre ich die deutschen Nachrichten, ich bitte um Nachsicht.) Die Kunststoffbranche (Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen) rechnet für dieses Jahr mit einem Zuwachs von über fünf Prozent Plastikverpackungen in Deutschland (ich höre die Sektkorken knallen). Man profitiere von der allgemein guten Konjunktion, heißt es. "Negative Berichterstattungen und Diskussionen in den Medien zeigten derzeit keine Auswirkungen am Markt", wird eine Branchensprecherin zitiert.

Was, bitte, sind in diesem Zusammenhang "Negative Berichterstattungen"? Und dann auch noch "Diskussionen" – iiiih! Wahrscheinlich geht es wieder um das Totschlagargument Arbeitsplätze, mit dem man jede Schweinerei rechtfertigen kann.

So müllen wir eben alles immer mehr zu, Plastik, Plastik über alles! Am besten, wir werfen dem Plastikmüll in den Meeren noch ein paar Rollen mit gelben Säcken hinterher, dann ist wenigstens für das Recycling gesorgt.



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Sonntag,
4. November 2018
Überall auf der Welt geschieht Wichtiges (zum Beispiel will Neu-Kaledonien nicht unabhängig werden), ich aber berichte weniger Wichtiges aus Bardou.

Erstens: Die Vespa velutina, die Asiatische Hornisse, hat sich auch in diesem Jahr in Bardou niedergelassen. Sie will, wie es scheint, hier heimisch werden. Das Nest ist vielleicht etwas kleiner als vor drei Jahren, dafür aber näher an den Häusern. Gefährlich oder aggressiv sind die Tiere nicht.

 
Hornissennest (1) Hornissennest (2) Hornissennest (3) Gourmand oder Gourmet?)
Nest von Vespa velutina über den Häusern von Bardou Gourmand V. velutina
(im November 2017)
   
  Zweitens: Die Maronen sind in diesem Herbst so viele, so schön und so gut wie lange nicht mehr. (Zu Bardou gehören 35 Hektar alter Edelkastanienwald)   Maronen November 2018
       
  Drittens: Als Nachwirkung mächtiger Regenfälle (vor ein paar Wochen) hat sich am Donnerstag ein Felsblock am Straßenrand selbständig gemacht, etwa 1,5 km vor Bardou. Donnerstag war Feiertag, die Gemeinde hat daraus ein langes Wochenende gemacht, das heißt, kein Mensch war erreichbar und zuständig, das Ding wegzubewegen. Inzwischen (Sonntag) hat es offenbar jemand geschafft (Jäger? Sie kommen gern in unsere Berge) den Brocken ein kleines Stückchen wegzuschieben, die Straße ist passierbar. Vorkommnisse dieser Art sind hier nicht selten.   Hindernis auf der Straße nach Bardou
  Viertens: Besagte Regenfälle haben auch einen unserer Telefonmasten unterspült, unten im Tal, hinter den letzten Häusern der Zivilisation. Er lag samt Telefonleitung quer über der Straße und musste in Stücke zersägt werden. Über die Leitung (über die auch die Internetverbindung läuft) fahren jetzt die Autos drüber. Folge: die Verbindung zur Welt funktioniert (NOCH) mit Ausfällen. Es gibt ja nicht allzu viel Verkehr hier rauf.

  Telefonkabel quer über die Straße
  Das Leben in Bardou ist viel interessanter als in den Städten.   abgesägter Telefonmast
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Donnerstag,
1. November 2018
In den Nachrichten des heutigen Tages taucht ein Wortungetüm auf, die Musterfeststellungsklage. Durch eine heute in Kraft getretene Gesetzesänderung wird es möglich, dass sich (unter anderem) Dieselfahrer zu einer Sammelklage zusammenschließen, um (zum Beispiel) den VW-Konzern auf Schadenersatz zu verklagen. Sie haben Dieselfahrzeuge gekauft und fühlen sich nun, da der große Betrug mit der manipulierten Abgasvorrichtung ans Licht gekommen ist, geschädigt. So weit so gut.

Es stimmt schon: Ein Dieselauto verliert nach dem ganzen Betrugstheater der letzten Zeit wohl an Wert, insofern ist der Halter ein Geschädigter und kann (so das Gericht es so verfügt) Schadenersatz verlangen (Ob er diesen letztendlich bekommen wird, steht noch auf einem anderen Blatt).

Aber: Sind denn nur die Autobesitzer geschädigt? Schließlich blasen die Autos doch ihre grenzwertüberschreitenden Abgase in die Atemluft von allen, auch Nicht-Dieselfahrzeugbesitzern, wie etwa den Kindern. Wer entschädigt die? Der logische Weg wäre doch, der Allgemeinheit, also jedem von uns, ein Recht auf Schadenersatz zuzubilligen. So kriegt nur wieder der Geld, der's (vermutlich) nicht nötig hat, während der kleine Mann (die kleine Frau, das kleine Kind) in die Röhre (das Auspuffrohr) schaut, geschädigt von Asozialen und Kriminellen.



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Montag,
29. Oktober 2018
Und dann das. Nach diesem Sommer!



 
Ende eines gewaltigen Sommers (1) Ende eines gewaltigen Sommers (2)
Ende eines gewaltigen Sommers
  Schnee im Oktober
      Südfrankreich! Im Oktober!
(Klick öffnet neues Fenster)
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  Und noch eine spannende Nachricht:

Archäologen haben in Texas eine interessante Entdeckung gemacht, meldet wissenschaft.de. Sie haben Speerspitzen ausgegraben, die etwa 14 – 15.000 Jahre alt sind. Es heißt, es handele sich um die frühesten bekannten Waffenrelikte aus Nordamerika. Das wirft natürlich ein ganz neues Licht auf die Amerikaner (und speziell die Texaner): Es scheint, sie können gar nicht anders als sich als Waffennarren zu gebärden, das liegt einerseits in ihrem Blut (woran die europäischen Vorfahren möglicherweise nicht ganz unschuldig sind), andererseits sind Waffen quasi tief im amerikanischen Boden verankert. Blut und Boden möchte man sagen.
   
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Sonntag,
28. Oktober 2018
Ich habe meinen Abschiedsbesuch in Bardou angetreten. Vorerst fühlt sich noch alles wie immer an. Nur der Blick nach vorn ist verkürzt: Ende November räume ich hier meine Sachen raus. Dann ist Ende.

Eine Neuerung am Dorfeingang hat mich überrascht: Die Gemeinde Mons-la-Trivalle, zu der Bardou gehört, hat ihre Häuser (die über einige Ortschaften, Weiler und Gehöfte verstreut sind) durchnummeriert und die Bewohner dazu verdonnert, die Nummern sichtbar anzubringen. Bardou mit seinem guten Dutzend von Gebäuden ist dabei zusammengefasst worden und trägt eine einzige Nummer, dafür aber gleich eine vierstellige.

Man wohnt jetzt hier in der Route de Bardou No. 3651. Irgendwie amerikanische Verhältnisse.



Bardou hat jetzt eine Hausnummer
      Bardou hat jetzt eine Hausnummer
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Freitag,
19. Oktober 2018
Die alten Tagebücher

3. Mai 1980

Wir sind von Kairo nach Athen zurückgeflogen. Der erste Eindruck war: was für eine ruhige, zivilisierte europäische Stadt. Wer Athen kennt, denkt eher an chaotische Zustände – es ist eben immer alles relativ.
Athen, 3.5.

Plötzlich wieder daheim im vertrauten Griechenland, in Athen, in Panos' Dioskouros. Lächerliche zwei Stunden Flug übers Mittelmeer (schöner Flug, über Kreta, Santorin und viele andere Inseln), und die Welt ist wieder eine andere geworden.

Der Tag war hektisch, ständig unterwegs: Nach dem Frühstück (Eier mit gelbem Dotter, remember Israel!) im Swiss Cottage Taxi zum Sidi Gaber-Bahnhof, Zug nach Kairo, Verhandeln um Taxi, zum American Express (keine Post, forwarding in die Schyrenstraße, kostet 3 $), dann zum Flughafen. In leicht gestresster Anspannung, man soll 3 Stunden vorher da sein (Abflug: 14.30 Uhr), bei arabischem Organisationschaos wohl auch nötig, wir kommen nach 12 Uhr hin. Abflug mit 40 min Verspätung, Anflug verzögert sich, Ankunft ca. 18.30 Uhr Athener Zeit (1 Stunde mehr!). Es ist schön, sich auszukennen, Panos (wir treffen ihn vor seinem Etablissement, das sich in den 5 Monaten erstaunlich verbessert hat: Zimmer sauberer, der Garten hergerichtet, Reparaturen gemacht) freut sich, uns wiederzusehen.

Die Plaka ist im Umbruch, im Aufbruch zu (noch) mehr touristischer Effektivität, es hat sich in der kurzen Zeit viel verändert, negativ, wie es uns scheint. Abendessen in einem der uns bekannten Restaurants, gutes Bier, es ist alles fast wie zuhause.

Es drängt gar nicht so nach München.

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Mittwoch,
17. Oktober 2018
"Da geht er hin ..." war der Kommentar der Fotografin, die da hinter mir her geknipst hat. Sie ist die Büroleiterin der Öko-Kontrollstelle in Karlsruhe, für die ich viele Jahre tätig war, und wo ich in der letzten Woche die Gelegenheit ergriffen habe, mich zu verabschieden.

Unter dem Arm das Abschiedsgeschenk: Robert Walsers sechs Bände "Aus dem Bleistiftgebiet", die sogenannten Mikrogramme aus den Jahren 1924 bis 1933. Ein Wunsch von mir.

Danke! Auch für die immer freundschaftliche Zusammenarbeit.



Da geht er hin
      Da geht er hin ...
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Freitag,
12. Oktober 2018
Bilder von unterwegs (11)



Neulich am Rand der Autobahn. Man hat sich daran gewöhnt, dass manche Parkplätze, ein paar Schritte abseits des Parkstreifens, aussehen wie auf dem ersten Bild.

Wenn man keine Toilettenanlage bauen will (deutsche Autobahnen – vor allem die älteren – haben SEHR viele Parkplätze), greift man gern zur Lösung auf Bild zwei.

Das dritte Bild aber zeigt, dass es Menschen gibt, die nicht in der Lage sind, ein Klo sachgemäß zu benutzen.
 
Autobahnparkplatz Notlösung Zu blöd zum Scheißen
Autobahnparkplatz Notlösung Zu blöd zum Scheißen
   
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Donnerstag,
11. Oktober 2018
Literarische Perlen (6)



Hermann Lenz
Er wollte eine Geschichte schreiben, in der die Liebe vorkam; die wahre Liebe, sozusagen. Und er dachte (wie schon oft), wenn es bei den erfreulichen Erlebnissen bliebe, als da sind: Lächeln, eine andere Haut spüren ... dann wäre die Liebe nicht zerrüttend. Weil sich aber bekanntlich immer wieder anderes als Glück einmischte, jenes Element zum Beispiel, das man Selbstverlust nennen könnte, war, was mit Liebe zusammenhing, nicht so besonders heimelig.

Auch die Besitzgier und der Trieb, den anderen zu quälen, es ihm heimzuzahlen, dass er nicht so war, wie man meinte, dass er sei, dies alles machte die Gefühle unerbittlich; denn jeder wollte im anderen sich selber lieben, und das ging nicht. Die Natur verlangte, dass jeder sich anpasste. Damit verschwand der Zauber, und manche hielten dies nicht aus.

Nun ja, die meisten richteten sich ein, und das war gut. Ohne Betrug und List und Schlamperei gab es kein Leben. Die pendelten die Gegensätze aus. Wer aber unerbittlich blieb, der fiel ins Loch.93
93 Lenz, Hermann: Ein Fremdling, Frankfurt am Main 1988, S. 205 f.
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Freitag,
5. Oktober 2018
Diesen Tag darf man einen guten Tag nennen, aus mehreren Gründen. Erstens hat das Oberverwaltungsgericht Münster der Klage des BUND gegen die Rodung des Hambacher Forsts insoweit stattgegeben, als das Gericht verfügt hat, dass RWE die Rodung vorerst nicht weiterbetreiben darf. Denn diese würde Tatsachen schaffen, die einer späteren Entscheidung zuwiderlaufen könnten. RWE habe nicht zeigen können, so das Gericht, dass die Rodung des Hambacher Forsts für eine sichere Energieversorgung nötig sei, heißt es in der Begründung. Eine Ohrfeige für die RWE nennt der Deutschlandfunk diese Entscheidung. Der Wald bleibt also erstmal stehen, und bis in der Hauptsache entschieden sein wird, dürfte eine längere Zeit vergehen.

Zweitens: Das Verwaltungsgericht Aachen hat das von der Polizei verhängte Verbot der Demonstration am morgigen Samstag aufgehoben. Die Naturfreunde Deutschland hatten einen Eilantrag gestellt, dem das Gericht mit der Begründung stattgab, es spreche "Überwiegendes" dafür, dass das von der Aachener Polizei ausgesprochene Verbot rechtswidrig sei ( tagesschau.de). Noch eine Ohrfeige.

Drittens: Der Aktienkurs von RWE stürzte um mehr als acht Prozent ab. Die RWE-Aktien waren mit Abstand der größte Verlierer des Tages. Anlass: der Konzern musste aufgrund der Gerichtsbeschlüsse eine sogenannte Gewinnwarnung herausgeben. Dazu sind Aktiengesellschaften verpflichtet, wenn Ereignisse eintreten, die den erwarteten Gewinn fraglich erscheinen lassen (Quelle: finanzen.net)

Warum zähle ich diesen Kurssturz zu den guten Nachrichten des Tages? Weil er vielleicht dazu beitragen kann, dass sich Leute, die ihr Geld in Aktien anlegen, Gedanken darüber machen, welcher Art die Firmen sind, deren Anteile sie kaufen. Und eventuell eine ethische Geldanlage in Betracht ziehen. RWE gehört mit Sicherheit nicht in diese Kategorie.

Was sagen uns die Ereignisse des heutigen Tages?

Konzerne und Polizei, man muss das leider so formulieren, scheuen sich in Deutschland nicht, ungesetzlich zu handeln. In aller Offenheit und Überheblichkeit. Sie müssen erst durch Gerichte auf den legalen Weg zurückgestoßen werden. Zum Glück haben wir noch Gerichte, die unabhängig urteilen.


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