WERNERS BLOG

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  Zeichnung: Wilhelm Busch


Mittwoch,
19. Februar 2020
Jahr für Jahr kehrt nach dem Karneval (lat. carne vale - Fleisch, leb wohl!) resp. Fasching, Fasnacht usw. die Fastenzeit wieder. Heute in einer Woche ist Aschermittwoch, der Tag, mit dem man vielleicht so etwas wie Mäßigung verbinden würde, an dem aber die Büttenredner aller politischen Parteien sich angewöhnt haben, in den Bierzelten gerade alle Mäßigung fallen zu lassen.

Regelmäßig fühlen sich auch die Kirchen bemüßigt, ihren Schäfchen gute Ratschläge mitzugeben, wie sie denn die Idee des Fastens (also des Verzichts) sinnvoll umsetzen könnten. Einen besonders originellen Beitrag leistet in diesem Jahr die evangelische Kirche, wie ich heute aus einem Radiobeitrag des Dlf erfahren habe. Sie schlägt vor

sieben Wochen ohne ... Pessimismus

zu leben ( hier die Kampagne der ev. Kirche).

Das ist nun mal eine richtig gute Idee, die besonders Hartz-IV-Empfänger, Schwerstkranke samt Angehörigen, Grundeinkommens-Rentner, Wohnungslose usw. ansprechen wird. Die Sendung brachte eine Diskussion, in der diese Schnapsidee (Fasching!) auch gründlich zerrissen wurde, sie erinnere an die "Christenwohlfühlblase evangelischer Kirchentage", sei "einer christlichen Kirche unwürdig" und "dümmliches Lifecoach-Gequatsche". Das sind wenigstens klare Worte, ich lobe mir mein Radio.

Die Kirche gibt zu ihrer Fastenaktion einen Kalender heraus, der Tag für Tag Anregungen geben soll, wie das gehen soll mit dem Pessimismusfasten. Denn selber denken können die Menschen heute ja nicht mehr, sie bedürfen dringend kirchlicher Handreichungen und origineller Ideen.

Helau!

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Sonntag,
16. Februar 2020
Neues vom Klimawandel

Heute Nachmittag auf der Terrasse:

Dazu muss man wissen:
  • ich wohne im Schwarzwald, auf 575 m Meereshöhe
  • das Thermometer hängt im Schatten (falls da Zweifel aufkommen sollten)

Am Ende des Monats wird es wieder einmal heißen: der wärmste Februar seit ...

Was sagt uns das?
16. Februar: Neues vom Klimawandel
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Donnerstag,
13. Februar 2020
Wie man weiß, lebe ich im Schwarzwald. Heute ist mir ein Exemplar des Schwarzwaldmärchens par excellence in die Hände gekommen (nach Jahrzehnten!): Das kalte Herz, von Wilhelm Hauff. Ich war überrascht, als ich den Anfang dieses Märchens gelesen habe und finde, er sollte in meiner Sammlung von Ersten Sätzen nicht fehlen:

  Erste Sätze (31)


Wilhelm Hauff, Das kalte Herz (1827)

Wer durch Schwaben reist, der sollte nie vergessen, auch ein wenig in den Schwarzwald hineinzuschauen; nicht der Bäume wegen, obgleich man nicht überall solch unermessliche Menge herrlich aufgeschossener Tannen findet, sondern wegen der Leute, die sich von den anderen Menschen ringsumher merkwürdig unterscheiden.
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Mittwoch,
12. Februar 2020
Die alten Tagebücher (50)

12. Januar 1981

Allein im Häuschen im Moor mit Selbstfindungsversuchen. Dass wir da einen Fernseher hatten, war mir völlig entfallen.
Wieder mal allein am Abend. Das Fernsehen fängt langsam an, in die Abende überzugreifen. Heute: Wenn die Gondeln Trauer tragen.

In C's Zimmer liegt ein Puzzle, das mich – ich hätt's ja nicht geglaubt – in den Bann gezogen hat. Die Zeittotschlägerei droht. Nur wegen des Winters? Bin wenig draußen zur Zeit. Habe wenig Beziehung zu der Umgebung, in der ich lebe. Auch nur der Winter?

Es ist tatsächlich scheußlich kalt. Es liegt viel Schnee, und es ist jedesmal eine Arie, mit dem Auto zum Haus hinterzufahren: Schneeketten rauf, Schneeketten runter. Immerhin haben wir Schneeketten, ohne die ging's überhaupt nicht.

Gedanken über eine "Alternative" in meiner Arbeit*. Nach längerem Rumrühren in den Unmöglichkeiten kam plötzlich wieder die Idee mit dem hölzernen Kinderspielzeug. C. musste mich daran erinnern.

Ich habe wenig eigene Ideen und selbst die wenigen vergesse ich wieder. Vor langer Zeit hat ein Graphologe aus meiner Handschrift gelesen, dass ich gut die Ideen anderer verwerten würde. Allerdings war meine Schrift da noch sehr von meiner jetzigen verschieden. Aber im Grund hat sich wohl nicht viel geändert. Der meinte damals auch, ich sei gut für einen juristischen Beruf geeignet.

(...)

Der Rhythmus, den ich zur Zeit habe, nämlich pro Woche 2 Tage zu arbeiten, im Monat also acht Arbeitstage, der liegt mir schon. 1200,- Mark bleiben da immer übrig, das genügt mir. Frage: wo kriege ich das gleiche Geld bei gleicher Unabhängigkeit? Ich mit meiner Faulheit und meiner Angst vor jedem Schatten von Abhängigkeit tu mir da sehr schwer.

Das tiefverschneite Land, mein eingefrorener Garten, sie nehmen mir meinen Optimismus bezüglich der Gärtnerei im kommenden Jahr. Auch die Bienen und die Hühner machen in meinem Kopf Schwierigkeiten**. Wenn ich keine konkreten Schritte vor mir sehe – bezüglich irgendeiner vor mir stehenden Aufgabe – sehe ich bloß Chaos. Und Chaos macht Angst.

Grundproblem bleibt aber die verfluchte Trägheit. Es ist so wunderbar angenehm, nichts zu tun und bloß so in den Tag hineinzuleben. Das Geld reicht immer irgendwie. Mittags ein schönes Frühstück, nachmittags irgendeine Wurschtelei, die man als Tagesarbeit bezeichnen kann, und dann das Tagesziel: das Abendessen. Je mehr Vorbereitung, desto besser. Heute z.B. (allein!) Krautwickel mit Kartoffelbrei, dazu das eingekaufte übrige Hackfleisch zu Fleischpflanzl verarbeitet. Alles einfach köstlich. Natürlich noch zum Nachtimbiß zwei kalte Fleischpflanzl mit Senf zum Fernsehen. Irgendwo ist das ekelhaft, aber irgendwo brauch ich's so. Also gut.



* gemeint ist die Arbeit als Taxifahrer in München

** Sowohl die Bienen- als auch die Hühnerhaltung existierten zu diesem Zeitpunkt nur als Wunschvorstellung

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Mittwoch,
29. Januar 2020
Immer wieder erreicht mich Wunderbares. Heute zum Beispiel dies (tausend Dank, Silke!):




Und glaube ja nicht,
dass der Garten im Winter
seine Ekstase verliert.
Er ist still.
Aber die Wurzeln sind aufrührerisch
ganz tief da unten.



 
   
       
       
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Montag,
27. Januar 2020
Heute habe ich einen wunderbaren Spruch aufgeschnappt, für alle, die ihren eigenen Weg gehen:
 
Du kannst es nicht jedem recht machen. Selbst wenn du über das Wasser gehst, kommt sicher einer und fragt, ob du zu blöd zum Schwimmen bist.
   
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Samstag,
25. Januar 2020
Erste Sätze (30)


Ayelet Gundar-Goshen, Löwen wecken (Leha'ir Arajot, 2014)

Und er dachte sich gerade, dies sei der schönste Mond, den er je gesehen habe, als er diesen Mann umfuhr. Und als er ihn umfuhr, dachte er im ersten Moment immer noch an den Mond und hörte dann mit einem Schlag auf, als hätte man eine Kerze ausgeblasen.
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Dienstag,
21. Januar 2020
Die alten Tagebücher (49)

8. Dezember 1980

Auf die Schwierigkeiten, die das Leben im verschneiten Moor mit sich bringt, setzt die Bürokratie noch eins drauf.
(...)
Amtsschimmelgeschichte: Wir hatten unser Auto - unser Schiff - am 26. September bei der Zulassungsstelle in Bad Aibling angemeldet, das Kennzeichen RO-KC 155 dafür erhalten. Der Steuerbescheid lautete über 288,- Mark fürs Jahr, fällig am 20.10. (oder 26.10., genau war der handschriftliche Eintrag nicht lesbar). C. überwies den Betrag am 23. Oktober von Hamburg aus von ihrem Konto. Kurz danach kam eine Steuermahnung vom Finanzamt Rosenheim an. Da sich Einzahlung und Mahnung offensichtlich gekreut hatten, haben wir natürlich nicht darauf reagiert. Ca. drei Wochen später kam dann eine zweite Mahnung, das Fahrzeug sei nicht versteuert, Drohung mit der Zwangsstillegung etc. Da ruf ich dann im Finanzamt an: Ja, da sei ein Betrag von DM 288,- eingegangen, aber der Name würde nicht stimmen (das Auto ist auf meinen Namen zugelassen, und C. hatte die Überweisung ausgestellt, das Kennzeichen war natürlich vermerkt!) Wenn ich, der Halter, also erklären würde, die Überweisung, die in einem anderen Namen getätigt worden war (man wusste am Telefon sofort, dass da Geld eingegangen war, und auch C.s Namen), sei das in Ordnung, dann bestünden keine Probleme mehr. Wieder drei Wochen später, als C. ihre Post aus Hamburg nachgeschickt kriegt, ist da auch ein Brief von ihrer Bank dabei, der ein Schreiben des Rosenheimer Finanzamts enthält, in dem dieses den Erhalt von DM 288,- bestätigt, dazu das Kennzeichen (RO-KC 155) angibt, mit dem Vermerk: "Kennzeichen stimmt nicht", und offenbar so tut, als sei da Geld eingegangen, mit dem man nicht wisse, wohin.

Ich habe ja Verwaltungsbeamte schon immer für leicht beschränkt gehalten, aber diese Geschichte könnte mich tatsächlich aufregen, wenn ich mir vorstelle, ich würde Steuern bezahlen, von denen solche Gehirnamputierte leben. (...)

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Sonntag,
12. Januar 2020
Lange habe ich darauf gewartet, dass von verantwortlicher Seite in der Politik einmal ein klares Wort zum Thema Dumpingpreise bei Lebensmitteln kommt. Siehe auch meine Beiträge vom

    16.11.15
    22.12.15
    12.2.16

In einem Interview hat die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Preispolitik der Supermärkte beim Fleisch angeprangert (CDU), siehe Dlf-Nachrichten von heute. Was meint sie damit?


Hier Beispiele aus den aktuellen Prospekten:

 
Edeka ("Supergeile Preise") Aldi Süd ("Meine Metzgerei") REWE ("Genau das Richtige für alle Fleischliebhaber") Lidl ("Lidl lohnt sich")
Edeka ("Supergeile Preise") Aldi Süd ("Meine Metzgerei") REWE ("Genau das Richtige für alle Fleischliebhaber") Lidl ("Lidl lohnt sich")
   
 

Solange die deutschen Verbraucher Fleisch (und andere Lebensmittel) als Wegwerfartikel betrachten, wird sich wenig ändern, weder bei den obszönen Angeboten der Supermärkte und Discounter, noch bei den bekanntermaßen mafiösen Zuständen in der fleischverarbeitenden Industrie.

Eigentlich müsste jedem denkenden Menschen klar sein, dass zu diesen Preisen weder eine einigermaßen artgerechte Tierhaltung, noch ein menschenwürdiges Einkommen der Landwirte noch ein solches der Mitarbeiter im verarbeitenden Gewerbe möglich ist. Ist das den Menschen egal? Offenbar. Wenn jetzt eine Ministerin das Wort ergreift, scheint das Thema immerhin oben angekommen zu sein.

Ja, Leute, auch ihr habt's in der Hand, die Dinge zu ändern: kauft Qualität (am besten Bio), kauft regional (am besten beim Bauern), kauft saisonal, esst weniger Fleisch (dazu rät euch auch der Doktor).

Leider scheinen sich nicht mehr als 20 Prozent der Bevölkerung angesprochen zu fühlen. Dem Rest (der gern Dreck frisst) muss mit Gesetzen nachgeholfen werden. Tun Sie endlich etwas, Frau Minister, mit schönen Worten anlässlich der Grünen Woche (bei der man sich als Politikerin gut in Szene setzen kann) ist niemandem geholfen.
   
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Freitag,
10. Januar 2020
Und auch zum Neuen Jahr ein Gedicht, von Heinz Erhardt



  Aus: Heinz Erhardt, Noch'n Gedicht   © www.imm-photo.de
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